Flugdrachen: Kite´n´Art, das ausführliche Drachen-Fachgeschäft für Einleiner, Lenkdrachen, Zubehör & Kunst


Notfälle und Feintuning: Trimmung von Einleinern



windige Tipps zur Einstellung der Waage


Der folgende Abschnitt beschäftigt sich ausdrücklich mit Einleinern, also Drachen, die als sog. Standdrachen an 1 Leine geflogen werden, wie z.B. unsere Kunstdrachen, Kastendrachen, XXL-Drachen ...
Jeder (technisch einwandfreie) Drachen hat (ebenso wie jedes Flugzeug) in Abhängigkeit von Bautypus, Größe und Material “seinen Windbereich”, in dem gute Flugleistungen möglich sind. Optimierungen innerhalb des oberen und unteren spezifischen Windbereiches nennt man Trimmung, was (meistens) eine Feinkorrektur des Anstellwinkels bedeutet. Der Anstellwinkel (vgl. Abb. unten = Winkel zwischen Tragfläche und Horizontale) ist geschwindigkeitsabhängig. Und ebenso wie ein Linienflugzeug kurz vor der Landung bei Minimaltempo die Nase hoch nimmt, so gibt es beim Drachen, Anpassungen dadurch, dass der Waagering auf der Waageschnur, je nach Bedarf, etwas nach oben oder unten verschoben wird. Ziel ist dabei immer, genug Auftrieb zum Überwinden der Schwerkraft zu erhalten und dabei noch ausreichend Windwiderstandskräfte für die Stabilität zu nutzen.
 
In der Waageschnur trimmbarer Drachen (mit vertikal ausgerichteter Waageschnur) ist i.d.R. eine Farbmarkierung genau an der Stelle angebracht, an der der sog. Waagering, die Waageschnur am Waagezugpunkt in einen oberen und einen unteren Waageschenkel teilt. Diese Markierung sollten Sie als Bezugs- und Orientierungspunkt für “normale Windverhältnisse” beachten und bedenken, dass bereits geringfügiges Verschieben des Waagerings die Flugleistungen optimieren aber auch völlig verunmöglichen kann! Änderungen der Position des Waagerings sollten durch sanftes Lockern und Verschieben des sog. Buchtknotens (vgl. Abb. unten) immer in sehr kleinen Schritten von wenigen Millimetern (bei Großdrachen cm) vorgenommen werden. Dabei gilt der Grundsatz für den Anstellwinkel: so steil wie nötig (=für die Stabilität) und so flach wie möglich (=für den Auftrieb). Für einen steileren Anstellwinkel wird der Waagering in Richtung Drachenmitte (also nach unten) verschoben. Für einen flacheren Anstellwinkel wird der Waagering in Richtung Leitkante/ Drachennase (also nach oben) verschoben.

Übrigens: Offiziell heißt dieser Knoten "Kuhsteg" oder auch "Lerchenkopf". Weil aber in der Drachenszene fast immer hierzu "Buchtknoten" oder einfach nur "Bucht" gesagt wird, wollen wir das so beibehalten. In der Knotenkunde meint Bucht den Teil eines Seiles, der auf sich selbst zurückgelegt wird, so dass eine Schlaufe entsteht. So wird der Begriff klar: dieser Knoten besteht aus zwei spiegelsymmetrischen Buchten. Weitere Infos auch bei unseren Tipps: Knoten  



Drachen-Doktor für Problemfälle:



Diagnosen und Therapien



Der Drachen zieht aber steigt nicht, bzw. steigt nur wenig. Abhilfe: flacher stellen, indem der Waagering nach oben verschoben wird.
----------

Der Drachen steigt schnell und kippt dann nach vorne ab und flattert zu Boden. Abhilfe: steiler stellen, indem der Waagering nach unten verschoben wird.
----------

Der Drachen dreht schnelle enge Kreise (meist bis zum Absturz! Unmittelbar vor dem Bodenkontakt unbedingt mit einer schnellen Bewegung auf den Drachen zugehen, um dem crash die Wucht zu nehmen). Abhilfe: steiler stellen, indem der Waagering nach unten verschoben wird.(Ggf. wäre ein zusätzlicher / längerer Drachenschwanz hilfreich.)
----------

Der Drachen steigt steil auf, so dass die ersten 10 Meter Leine nahezu senkrecht herabhängen, er scheint die Leine zu überfliegen und dreht im Zenit langsame große Kreise. Abhilfe: solange der Wind sanft und gleichmäßig weht, ist dies eigentlich kein Problem, aber in Böen droht er nach vorne in den Flattersturz abzukippen! Reduzieren Sie den Leinenwinkel, also: steiler stellen, in dem der Waagering (nur ganz wenig!) nach unten verschoben wird, oder setzen Sie einen (effektiveren) Drachenschwanz ein.
----------

Der Drachen zieht deutlich aus der Mitte des Windfensters immer wieder auf die gleiche Seite weg und stellt die Leine schräg zum Wind. Abhilfe: Überprüfen Sie die Symmetrie des Aufbaus. Sitzt das Gestänge exakt in den Stabtaschen? Sind beide Drachenhälften wirklich gleich aufgebaut? Ist an der Waagebefestigung irgendetwas verheddert?
- Bei Drachen mit einer horizontal ausgerichteten Waage wie z.B. bei Schlittendrachen oder bei einer teilweise horizontal verlaufenden sog. Verbundwaage kann es sinnvoll sein, den (äußersten und obersten) Waageschenkel, der der Abdriftrichtung des Drachens gegenüberliegt etwas zu verkürzen. Also: Drachen zieht immer nach links, dann den (oberen) rechten Waageschenkel verkürzen, und umgekehrt... Testen Sie diese Korrektur (bevor Sie die ganze Waagegeometrie verändern!) indem Sie in den zu verkürzenden Waageschenkel einen kleinen Ring oder ein Hölzchen (dünner als ein Kugelschreiber) mit einem Buchtknoten (vgl. evtl. unsere kleine Knotenkunde) einsetzen, was leicht wieder zu entfernen ist.
----------

Der Drachen zieht bei kräftigem Wind immer wieder mal nach links, mal nach rechts zur Seite weg und stellt die Leine schräg zum Wind; und wird in Böen sogar seitlich bis zum Boden niedergedrückt. Abhilfe: Die Verformung unter dem Winddruck ist zu groß und muss reduziert werden. Ob bei Kastendrachen mit viel Stabilisierungsflächen neben den Auftriebsflächen oder Flachdrachen, die sich bereits mehr als deutlich im Winddruck verformen - dringend etwas flacher stellen. Wenn dies nicht viel nutzt ist die oberste Windbereichsgrenze für diesen Drachen erreicht. Also bitte einpacken. 
- Bei jedem Drachentyp hilft hier auch, einen Schwanz anzubringen (vgl. Abs. unten) wenn gleichzeitig der Anstellwinkel am Waagering deutlich abgeflacht wird.
----------

Der Drachen fliegt sehr unruhig und absolut unberechenbar und unvorhersehbar: mal schießt er zur Seite weg, steht wie angenagelt kurz still, kippt nach vorne ab, dreht enge Kreise, sinkt sanft nieder .... Abhilfe: Weichen Sie Verwirbelungen im Luftstrom aus, die von Hindernissen und Unebenheiten hervorgerufen werden (beachten Sie unbedingt unsere windigen Tipps zum Thema Fluggelände). Wenn Sie in freiem Gelände stehen und der Wind nicht absolut außergewöhnlich böig ist, überprüfen Sie bitte genau die Symmetrie des Aufbaus und stellen Sie den Drachen zunächst deutlich zu steil (Waagering ein paar cm nach unten) ein, so dass er beim Startversuch kaum oder gar nicht steigt; nun tasten Sie sich schrittweise an den neuen Zugpunkt in der Waageleine heran, indem Sie in kleinen Schritten von wenigen mm den Waagering nach oben verschieben und das Ergebnis jedes Mal mit einem Start in der Flugpraxis testen.
----------


Drachenschwänze sind nicht nur Dekoration ...


Die Skizze (ganz oben) zeigt, dass ein Drachen nur dann schwebt, wenn die Auftriebskraft genauso groß ist wie die Gewichtskraft. Ein guter, technisch wirksamer Drachenschwanz soll also möglichst leicht sein (= wenig zur senkrechten Kraft beitragen) und dabei viel Windwiderstand bieten (=viel zur horizontalen Kraft beitragen). Sein waagrechter Stabilisierungszug wird dabei umso effektiver sein, je länger er ist (= Drehmoment / Hebelgesetz). Diese zusätzliche Richtungsstabilisierung ermöglicht es, den Drachen flacher zu stellen und damit mehr seiner Fläche für den Auftrieb zu nutzen, was meist bedeutet, dass stabiler Flug schon bei geringeren Windgeschwindigkeiten möglich wird. Zugleich aber sorgt die sich mit zunehmendem Wind erhöhende Windwiderstandskraft dafür, dass der Leinenwinkel nicht zu groß wird und verhindert somit ein Überfliegen der Leine und den damit verbundenen negativen Anstellwinkel, der zum Flattersturz führen würde. Man kann also sagen, dass ein effektiver, zum Drachen passender Schwanz sowohl den tauglichen Windbereich nach oben und unten hin vergrößert und zugleich durch den vom Winddruck abhängigen Zug regulierend zu einen stabilen Flug im Bereich optimaler Leinenwinkel beiträgt.
Aus diesem Grund bietet Kite´n´Art als optische und technische Ergänzung für Einleiner unterschiedlicher Größe Drachenschwänze in verschiedenen Variationen an.

Bauanleitung für einen technisch effektiven, einfachen Drachenschwanz:
Material: etwas dünne Schnur und Plastiktüten in Folienstärke entspr. “gelber Sack”
1. Plastikbeutel der Breite nach in 2 bis 3cm schmale, ringförmige Streifen schneiden.
2. Folienringe öffnen, auffädeln und an einer Stelle zu einer Quaste fest zusammenbinden.
3. Vom Plastikbüschel Schnur ablängen entspr. der 5- bis 7- fachen Drachenhöhe.
4. Das Ende der Schnur in der Mitte der Schleppkante des Drachen befestigen - fertig!
Dieser fertige sog. Eselsschwanz  wird wohl nur eine Gewichtskraft von ca. 3 bis 8g aufbringen; der Widerstand der “geschlossenen Folien-Fransen” und der lange Hebel an der Schnur werden jedoch gewiss deutlich höhere Stabilisierungskräfte hervorbringen ...

weiter zu:
Übersicht  "windige Tipps" Übersicht  alle Service-Seiten Übersicht  alle Produktgruppen
Übersicht  alle Drachengruppen Übersicht  XXL-Einleiner Übersicht  Künstler-Drachen
Übersicht  Kastendrachen Übersicht  Einleiner für Kinder Übersicht  Blanko-Drachen